In den heutigen Tagen sieht man auf fast jedem Sender Jahresrückblicke, in dem die Aushängeschilder der jeweiligen TV-Anstalten A-, B-, und C-Promis interviewen und das Jahr Revue passieren lassen. Damit ihr euch diesem medialen Overkill nicht antun müsst, fasse ich für euch das Jahr 2010 auch meiner Sicht zusammen und erzähle dabei meine eigene Geschichte:
Januar:
-Die Harten kommen in den Garten, die Härteren in der Gärtnerin-
Das Jahr fing furchtbar mit der Tragödie in Haiti an. Dieses Erdbeben tötete sehr viele unschuldige Menschen und machte umso mehr Menschen obdachlos. Die Spendenbereitschaft der gesamten Welt war vorbildlich, nicht so das Verhalten gewisser Unternehmen, die sich die Taschen mit Spendengeldern vollgesteckt haben. Es ist schon traurig, dass solche perversen Typen aus diesen Dramen Profit schlagen und das Geld nicht dorthin geht, wo es am Nötigsten gebraucht wird.
Mein Januar war geprägt vom Studienstress. Mathe, Baustoffkunde und Statik schwebten wie ein Damoklesschwert über meinem Kopf. Deshalb habe ich auch bei der bittersten Kälte keine Vorlesung verpasst, frei nach dem Motto: Die Harten kommen in den Garten, die Härteren in der Gärtnerin ;-) Einen Glücksmoment bereitete mir das 2:3 der Bayern in Bremen, welches ich Live vor Ort erleben dürfe. Quasi den Erzfeind in der Höhle des Löwen geschlagen! Fussballherz, was willst du mehr?
Februar:
-The show must go on-
Wenige Tage vor den Olympischen Spielen in Vancouver starb im Training ein georgischer Rodler tragisch in der eigens für die Spiele neugebauten Bahn. Die Verantwortlichen wollten die schnellste Bahn der Welt erschaffen um die Einschaltquoten für den schwächelnden Wintersport zu steigern, ob sie es ist weiß man nicht, aber auf jeden Fall ist sie die Gefährlichste. Dazu kann man Parallelen mit dem „Wetten dass“-Unfall ziehen, bei dem der Kandidat wahrscheinlich für immer gelähmt sein wird. Klar können Unfälle immer passieren, aber zumindest sollte die Lebensgefahr bei solchen Wetten ausgeschlossen werden. Aber wie immer im Leben muss erst etwas passieren, bis die Verantwortlichen reagieren. Dennoch halte ich es wie Freddie Mercury: „The show must go on“!! Keine andere Show bringt Topstars nach Deutschland und Thomas Gottschalk ist immer noch der größte Entertainer den wir haben. Außer Thommy, würde ich es nur noch Günther Jauch oder Harald Schmidt zutrauen eine Show wie diese Gebührend zu präsentieren.
Mein Februar war geprägt von Klausuren, was für mich psychischer Stress, der extremsten Sorte bedeutet. Ich hasse diesen Zeitdruck, dieses Gefühl einen Fehler gemacht zu haben (sollte man es merken) und ihn nicht mehr korrigieren zu können. Anstatt Klausuren würde lieber meine erste Woche bei der Bundeswehr wiederholen. Augenzeugen werden berichten zu können, dass diese Woche für mich alles andere als spaßig war, denn die meiste Zeit lag ich auf dem Boden und wurde angeschrien… „Poppe, sie Partisan, auch ihnen machen wir auch noch einen schneidigen Soldat der deutschen Bundeswehr“ Näheres dazu dann mal an anderer Stelle. Weiterhin kam mir Bremen im Februar vor Kälte wie ein „Stalingrad-light“ vor, was meinen Gemütszustand nicht gerade erheiterte.
März:
-Wenn der Schnee schmilzt, sieht man wo die Kacke liegt-
Die Griechenland-Hilfen waren des bestimmende Thema im März. Die Griechen brauchten Geld, und zwar gaaanz viel und gaaanz schnell! Super das bräuchte ich auch. Erstmal empfinde ich es als krass das es überhaupt soweit kommen könnte und desweiteren wie die anderen EU-Ländern dann so schnell Gelder locker machen können, wenn doch sonst so emsig gespart werden muss, was in meinen Augen vollkommen richtig ist. Klar auch das Deutschland als Wirtschaftsmotor Europas da tief in die Taschen greifen musste. Auch deshalb werden wir unsere Ziele die Neuverschuldung zu stoppen weiter verschieben müssen und wenn die Geschichten auch Irland, Spanien, Portugal, Italien Glauben schenken mag, dass sogar noch auf lange Sicht. Diese Länderregierungen und die Bevölkerungen müssen sich doch mal klar machen, dass man nicht Gelder ausgibt, die nicht vorhanden sind und es Einschränkungen in den entsprechenden Lebensstandards geben muss. Wenn ich dann so die Demonstrationen in Griechenland, nach Verkündigung des Sparpaketes erlebe, befürchte ich dass dieses Land immer noch scheinbar in ihrer glorreichen Antike lebt. Traurig dass das Kind erstmal in den Brunnen fallen muss bevor etwas geschieht.
Die folgenden Zeilen wollte ich zuerst nicht schreiben, da sie sehr intim sind, aber es gibt halt nicht nur Licht sondern auch viel Schatten in den Leben eines jeden Einzelnen. „Wenn der Schnee schmilzt, sieht man wo die Kacke liegt“. So was es bei mir auch. Private Probleme vermischten sich mit enttäuschenden Studiennoten. Ich fühlte mich antriebslos, fast schon depressiv. Habe versucht es mit Alkohol zu beheben, aber es half nicht. Zudemkamen noch Probleme mit Frauen, die ich in meinen Partynächten „kennen gelernt“ habe und mich danach nicht mehr gemeldet habe. Für diejenige die sich jetzt angesprochen fühlt: Sorry nochmal an dieser Stelle, wer könnte denn ahnen das man sich zweimal im Leben sieht!!
War definitiv nicht die feine englische Art und ist mir auch sehr unangenehm, aber aus Fehler lernt man und sowas würde ich sicherlich nicht noch einmal machen. Nichtsdestotrotz gab es auch schöne Momente, wie die Versöhnung mit meiner besten Freundin, die ich durch meinen Fokus auf mich und meinen Karrieregang fast verloren hätte. Durch diese beiden Geschichten ist mir bewusst geworden wie wichtig es ist Probleme rechtzeitig anzusprechen anstatt davor wegzurennen. Von nun an sollte es Bergauf gehen.
April:
-Weiter, immer Weiter-
Die von Shell nennen sich ja jetzt „Shellisten”, die von Aral „Aralisten”, die von Esso „Essoisten”. Nur die von BP wollten nicht mitmachen. Komisch, oder? Wahnsinn daspassiert eine der größten Umweltverschmutzung aller Zeiten und keiner berichtet mehr drüber. Die BP hat es in ihrer Ölkatastrophe geschafft mit dem „brauen Gold“ über 100.000 Tiere zu töten und gleichzeitig Millionen Kubikliter von Wasser zu verseuchen, weil es für dieses „worst- case“- Szenario keinen vorgefertigten Plan gab. Unsereins wird wie ein Schwerverbrecher behandelt, wenn er in einer Wohngegend sein Auto selber wäscht und bei BP kommen die Obrigkeiten fast ungeschoren davon. Klar rollen dort für die Medien auch Köpfe, aber es denkt doch eh keiner daran seine Abfindung für die Opfer dieses Unglückes zu spenden. Wenn jeder an sich denkt ist an alle gedacht.
BP - Wir tanken auch Ihren Golf voll
Ich fand neuen Antrieb und es ging für mich aufwärts. Ich beschloss wieder mehr Brücken zu bauen anstatt einzureißen und noch härter als je zuvor zu arbeiten. „Weiter, immer weiter“ wie Oliver Kahn sagen würde. Gleichzeitig spielten die Bayern in der Champions League wie in Ekstase. Naja etwas übertrieben, aber der Weg führte bis ins Finale. Da ich es satt hatte immer alleine vor dem Fernseher zu hocken, habe ich zu jedem Spiel einen 2Std Weg auf mich genommen und mit meinen Kumpels die Spiele zu sehen. Erst 15 min mit der Straßenbahn zum Hauptbahnhof, dann mit dem Zug nach Osterholz-Scharmbeck, von dort aus mit dem Bus eine Dreiviertelstunde über die Dörfer und schließlich noch einen 20 Minütigen Fußweg bei Wind und Wetter zu unserem Bayern-Bunker! Nachdem Spiel brachte mich dann immer ein Kumpel zum nächstgelegenden Bahnhof damit ich den letzten möglichen Zug nach Bremen bekommen konnte. Ja ich habe einen Vogel, aber solange ich ihn „füttere“, geht’s ihm prächtig!!
Mai:
-love, oh love-
Wir sind Lena! Wir sind Grand Prix!! Der Lena-Hype war echt krass. Das Problem ist leider bei solchen Stars, dass sie kometenhaft nach oben geschossen werden und sobald die Hysterie verflacht, sie dementsprechend wieder fallen, da eine Grundfanbasis einfach fehlt. Das sieht man ja leider auch an ihren Albumverkäufen, bzw Nichtverkäufen und die Tour, die nur noch wenige interessiert. Wenn sie nächstes Jahr wieder zum Grand Prix antritt, wird sie wohl nochmal ein kleines Karrierehoch haben, aber was danach folgt ist halt ungewiss. Hoffentlich sehen wir sie nicht irgendwann bei „Ich bin ein Star- hol mich hier raus“. Der Vater des Erfolges ist für mich Stefan Raab!! Was dieser Mann anfässt wird zu Gold. Dieser Mann ist einfach stets am Puls der Zeit, wenn ich an seine Sendungen, seine Talentgespür etc denke. Auch wenn TV Total nicht mehr so gut läuft und er mit seinem Humor manchmal übers Ziel hinaus schießt, der Mann ist der Herzschrittmacher von Pro 7.
Die neue Formel lautet: Lena + Torben = love,oh love!! Diese junge, hübsche, schüchterne Frau hat ganz Deutschland, ach was schreib ich, ganz Europa bezaubert. Mit dem Hype konnte ich am Anfang relativ wenig anfangen. Grand Prix findet statt oder in Hamburg platzt eine Bockwurst, mir egal. Aber als ich dann die Veranstaltung am Ende doch noch geguckt habe, da hat sie mich fasziniert, besonders als sie so süß im Abspann umher geplappert hat. Nachdem die Show zu Ende war, begann ich mit der Familienplanung. Wohin mit den ganzen kleinen Torbens und Lenas? Wo wohnen wir? Was trinkt sie wohl am liebsten? Sie hätte mich als Toyboy benutzen können, es wäre mir egal gewesen. Leider hatten wir noch nicht die Gelegenheit uns zu treffen und meine Faszination ist nun auch etwas abgeschlafft, aber Lena wenn du dies hier liest und Interesse hast, komm doch mal nach Bremen oder ich treffe dich „gentlemanlike“ in Hannover, denn für ein bißchen „love oh love“ ist es nie zu spät ;-)
Juni:
- Nüchtern, ist das einfach nicht das Selbe -
Was wurde vorher geredet, eine WM in Afrika wird eine Katastrophe in Sachen Logistik und Sicherheit. Was war?- Nichts! Alles im grünen Bereich. Die Gruppenspiele waren zu Anfang ein Graus. Schrecklicher Fußball, bis auf unsere Elf die wieder jeder Abgeschrieben hat. Schade dass es nicht für den ganz großen Sprung gereicht hat, aber die Spiele gegen England und Argentinien werde ich nie vergessen und hoffe eines Tages meinen Enkel davon zu erzählen. Im Endeffekt ist Spanien verdient Weltmeister geworden, da sie zurzeit auf allen Positionen einfach Grandios besetzt sind und für uns im Halbfinale (noch) eine Nummer zu groß gewesen sind. Aber 2012 wird wieder angegriffen. Ein Positiver Nebeneffekt vom diesen Großveranstaltungen ist dabei auch, dass das Land wieder zusammen rückt und „Flagge zeigt“. Diesen Patriotismus würde ich mir fürs ganze Jahr wünschen, denn wir brauchen uns nicht mehr vor unserer Geschichte verstecken. Es gibt natürlich nicht einen Millimeter Spielraum für die Dinge, die vor 70-75 Jahre hier passiert sind, zu beschönigen, aber die letzte Generation der Reaktionäre stirb mittlerweise nach und nach aus und müssen dieses dunkle Kapitel endlich hinter uns bringen und nicht jedes falsche Wort auf die Goldwaage legen.
Stell dir vor es ist Fussball-WM und du bist nicht dabei? So erging es mir diesmal. Gerade die WM in Südafrika, wo ich doch ein so gutes Verhältnis zu Afrika habe, da ein gewisses Körperteil von mir „afrikanische Verhältnisse“ hat. Wie gern hätte ich mit meinen Freunden Bier vernichtet und Lieder wie „54, 74,90, 2010“ mitgegröhlt, aber leider standen bei mir wieder Klausuren an. Ich habe zwar fast alle Spiele gesehen, nur musste ich auch gleichzeitig auch am Schreibtisch sitzen und büffeln. Dazu kam noch die brütende Hitze in der Wohnung hinzu und die Tatsache und ich mir, außer das obligatorische „gepflegte Bier“, keine weiteren kalten Drinks gegönnt habe. Wie Al Bundy sagen würde: „Nüchtern, ist das einfach nicht das selbe!!“. Dann noch meine mittlerweise etwas längeren Haare und die mir stark ausfielen und zudem ständig durchgeschwitzt waren…. Ahhh da war sie meine herbeigesehnte erste Woche bei der Bundeswehr. Mein Leben ein einziger Teufelskreis.
Juli:
-Change-
Das Loveparade-Unglück empfand ich in zweierlei Hinsicht furchtbar. Einmal das Drama an sich, das niemals hätte passieren dürfen. Und dann diese Posse in den Medien wer den Schuld hätte. Der Bürgermeister? Der Veranstalter? Die Opfer selber? Der schwarze Peter wurde hin und her geschoben. Man hat sich auf den Bürgermeister von Duisburg „geeinigt“, der seit dem Tag keinen ruhigen Tag mehr hat und deswegen wohl irgendwann psychisch zu Grunde geht. Wer im Endeffekt Schuld hat wird sich wohl nie heraus stellen, wenn derjenige nicht den Arsch in der Hose hat sich zu bekennen, aber ich hoffe das er bis dahin keine Nacht mehr ruhig schlafen kann. Ich könnte es nicht, wenn ich den Tod von knapp zwei Dutzend Leuten zu Verantworten hätte.
Meiner Haarproblematik habe ich im Juli ein Ende gesetzt, in dem ich sie abschneiden lies. Das erste Gerücht aus meiner alten Heimat: Torben Poppe ist Nazi geworden!! Ihr dummen kleinen Penner!!
-Erstens: Nein ich bin KEIN Nazi, das seid nämlich IHR, wenn ihr Leute auf ihr Äußeres reduziert.
- Zweitens: Habe ich wahrscheinlich mehr mit Ausländern zu tun, als ihr Kartoffelköpfe jemals haben werdet.
- Drittens: Ich bin jetzt Mitte 20, hab Haarausfall und muss etwas dagegen tun nicht so bescheuert auszusehen wie ihr Hampelmänner!!…
Sorry für den Wutausbruch aber das musste mal sein^^ Ich versuche immer mich weiterzuentwickeln, denn Stillstand bedeutet Rückschritt, also machte ich in der Hinsicht einen „Change“. Ansonsten liefen meinen Klausuren großartig, sodass ich diesmal nicht nur wieder alles auf Anhieb bestanden, sondern auch alles recht akzeptabel!! Die ganzen Entbehrungen während der WM hatten sich also gelohnt und konnte entspannt eine Auszeit von 3 Monaten nehmen, um die Akkus wieder neu aufzuladen und meine Konzentration meinem neuen Hobby zu widmen, dass ich ab August verfolgte….
Der zweite Teil folgt im neuen Jahr
Mir ist bewusst dass meine Meinung nicht mit jedermanns korrespondiert, aber das soll es ja auch nicht, denn jeder sollte frei in seinen Gedanken und Endscheidungen sein. Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, das wir erhalten sollten. Ich hoffe ihr hattet viel Spaß beim Lesen, haltet mir die treue und empfehlt diesen Blog euren Freunden! Vielleicht wird ja so noch etwas aus mir ;-)
In diesem Sinne
Frohe Weihnachten, frohe Hanuka und Asalamalaikum …. und ein frohes neues Jahr